Eine Europameisterschaft der ExtraOuchiKlasse

It’s a hard Job…

Um ehrlich zu sein, einen Bericht über die Europameisterschaft in Ungarn zu schreiben fällt mir unglaublich schwer. Es ist ja nicht so, dass mir nichts einfallen würde. Ganz im Gegenteil. Es gibt so unglaublich viele große und kleine Erlebnisse auf den Weg dahin, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Und abgesehen von den 5 Tagen in Ungarn haben wir als Verein das letzte ¾ Jahr so einiges erleben können.

Damit wir die ganze harte Vorbereitungszeit nicht vergessen und wir begreifen, was Ouchi bis hier geleistet hat, haben wir die wichtigsten Events auf unserem „Ouchi rockt Europa“ Themenshirt verewigt und sie samt PowerStick als Schlüssel zum Erfolg dem Hannes und Richi eine Woche vor dem heiß erwarteten Wiegen überreicht. Dieser letzte Ansporn von den Ouchis sollte unsere beiden Starter noch einmal beflügeln und zeigen, dass die zu Hause Gebliebenen alle möglichen Daumen drücken und intensiv mitfiebern. Alle wünschten gute Folg. Deshalb waren auf dem PowerStick nicht nur Motivationsmusik, sondern auch viele kleine Motivationsvideos. Von da an sollte das Kribbeln im Bauch so richtig losgehen…

In den letzten Trainingseinheiten hat man dann die erste Anspannung und Konzentration vollends gespürt und bei solch professioneller Trainingsatmosphäre spürte jeder irgendwie, bei dieser EM könnte was drin sein. Am Mittwoch in der Früh fuhren wir dann Richtung Ungarn. Geplanter Reisestart: 03:00 Uhr, tatsächlicher Reisestart: 03:55 Uhr.  Wecker sollten niemals lautlos weckend eingestellt sein 😉 … Unsere zwei Starter begleiteten 7 weitere Glücksbringer im gleichem Bus und 3 weitere im 2. FanMobil. Das war eine super Sache! Die Busfahrt hinzu verging dann auch wie im Flug, denn ich glaube die Hälfte der Strecke schlief die Bordbesatzung. Sofern man schlafen konnte im diesem Gefährt…

Erstes Ziel war Sekesferfar. Dank Pauls Navi steuerten wir geradewegs unsere Unterkunft an. An einem idyllischen See stand unser Haus, mit Terrasse und großer Wiese sowie einen entspannten Blick auf den See. Nach der örtlichen Shoppingtour im Tesco mit allerlei Essen, Trinken und Kindheitserinnerungen stürzten wir uns auf die Pizzas und Nudeln und sättigten uns nach der langen Fahrt. Um sein Traumgewicht zu erreichen nahm der arme Richi am Essen als, sagen wir, Unterstützung, teil. Sorgen ganz anderer Art hatte da Lucie, die ihre Spagetti gegen all die gierigen Konkurrenten bis zur letzten Nudel verteidigte. So zog die OuchiKarrawane vollgepackt weiter und besuchte die anderen deutschen Nationalmannschaftsmitglieder um letzte News zu bekommen und die kommenden Tage abzusprechen. Den Abend ließen wir dann genüsslich mit frittiertem Schnitzel, Cordombleu, Kartoffeln und Bananen gemeinsam ausklingen.

Donnerstag. Der Tag der ersten Entscheidung. Richard organisierte uns im Neoprenanzug die Frühstücksbrötchen. Auf dem Weg zum gegenseitigem Kennenlerntraining mit den Senseis bekamen wir einen Anruf. Wiegen. Jetzt. Sofort. Wir hofften das Richi seine Haarpracht nicht opfern musste um in seine Gewichtsklasse zu kommen. Das Resultat waren 64,8 kg! Ohne Haarverlust. Die Erleichterung war groß und während Tina, Tim, Paul und Anonymus beim großen „wer hat den Größten“ PowerTraining mit den Senseis teilnahmen, konnten Richi und seine Crew es wieder genießen, in der Nahrungskette ganz oben zu stehen. Am Nachmittag trafen wir uns noch zum gemeinsamen Training und Baden. Nachdem der Donnerstag ganz im Zeichen von Essen und Gewichtsfreiheit stand, fanden wir ein Restaurant welches feinsten ungarischen Gulasch mit Gnockerln anbot. Die gemeinschaftliche Abschlussrechnung stellte uns dann noch vor ein riesiges Problem, nachdem sich all das Blut in den Magen begeben hatte… Aber auch diese (Vor)Prüfung bestanden wir. Das konnte nur Gutes verheißen… 

Am Freitag hieß es dann zum ersten Mal Wettkampfluft schnuppern. Die Senioren waren am Start und wir drückten unserem deutschen Teamkollegen natürlich alle Daumen. Tina, Lucie, Vicky und die Freundin vom Hans-Peter fuhren in der Zwischenzeit nach Budapest um ein Laden zu suchen. Ok, hat sich gelohnt. Alle haben etwas gefunden. Immerhin 😛 … Hannes und Richi nutzten die Zeit, um sich mit den Bedingungen vor Ort vertraut zu machen. Alle Anderen machten sich in „Deutschland, Deutschland“ Rufen für den nächsten Tag warm. Nebenbei schrieben wir eine Einkaufsliste für unsere geplante Grillsession am Abend. Zum Glück wusste der Zettelschreiber, was er mit „Obergine“ meinte, sonst hätte er sich genauso vertan wie die Shopper, die anstatt Salat einen Weißkohl kauften. Alle packten bei der Vorbereitung fürs Grillen mit an und so fand der Freitag ein passenden Ausklang für uns Ouchis. Denn der nächste Tag war der „End of days“…

Samstag. Zeit für Rock’n’Roll. Starttag für Hannes und Richi. Konzentration beim Frühstück. Im Bus kam keine Musik. Die Spannung und Aufregung war greifbar. Alle in „Ouchi rockt Europa“ Shirts. Das die besser aussahen als die offiziellen EM-Shirts ist sogar den Südafrikanern aufgefallen. Was die bei einer Europameisterschaft machen weiß ich auch nicht, aber ich sage nur: „I want you shirt!“.

Es waren, wie ich fand, unglaublich viele Fans da. Riesig war auch, das Ansgar samt Familie und Freunden am Samstag mit zum anfeuern kam. So hatten wir einen richtigen Ouchi Fanblock. Und auch wenn ich schon an ein paar Meisterschaften teilgenommen habe, die Aufregung als Fan vor und während dieser EM hat alles bisherige übertroffen. Die Starter wurden pro Pool aufgerufen und kamen aus einer Aufwärmhalle gemeinsam in die Wettkampfhalle. Das Einlaufen von Hannes und Richi wurde jedes Mal frenetisch bejubelt. Hannes ging in Kumite und Kata an den Start. Richi „nur“ in Kumite. Begonnen wurde mit Kata. Hannes gewann 3 Kata-Flaggenentscheide für sich und stand damit für uns alle irgendwie völlig unerwartet aber durchaus verdient im Finale der besten Acht. Schon alleine das haben wenige deutsche Starter in den letzten Jahren geschafft. Nach einer Pause war es soweit. Sein erster Kampf. Die Anspannung auf der Tribüne war unerträglich. Adrenalin stieg mir durch die Beine und den ganzen Körper. Als sich die beiden Wettkämpfer gegenüberstanden bin ich fast geplatzt vor nervlicher Anspannung. Sein Gegner war ein Ungar. Nach leichten Abtasten der Beiden ergriff Hannes die Initiative und ging durch einen Gyaku-Zuki in Führung. Riesen Jubel bei uns. Ich bekam schon Gänsehaut. Bei dem Versuch, den Ungarn auszukontern kassierte Hannes den Ausgleich. Es war schlimmer als zu Fussball WM. Leider gewann der Ungar am Ende recht knapp. Wir applaudierten aber gleich darauf machte sich eine Stille breit. Kurze Schockstarre. An diesem Kampf konnte man sehen, wie nah Sieg und Niederlage, Glück und Pech beieinander liegen. Irgendwie hätten wir es Hannes nicht nur gegönnt, sondern er hatte den sieg eigentlich auch verdient gehabt. Aber wie das eben im Sport so ist. Und das ist nicht einfach nur so daher gesagt. 

Einen Pool davor, direkt unter unserer FanTribühne kam kurz darauf Richi eingelaufen. Seine Gruppe begann. Er hatte ein Freilos und musste deshalb einige Zeit auf seinen ersten Kampf warten. Mächtig lange, wie wir auf der Tribüne fanden. Es hat uns nervöser gemacht als Richi wahrscheinlich selbst. Wir sahen ihn immer nur warm machen. Dann, nach schier unendlichen Warten war es soweit. Wir hatten in der Zwischenzeit in seiner Gruppe wirklich herausragende Kämpfe gesehen. Sein erster Gegner, ebenfalls ein Ungar. Als er seinen ersten Punkt machte, jubelten wir frenetisch. Als Richi tatsächlich überwältigend und mit viel Leidenschaft seinen Kampf gewann, stand die ganze Tribüne. Es war wie beim Fussball. Nein, schlimmer, find ich. Seinen zweiten Kampf kann man gar nicht in richtige Worte fassen. Ich erinner mich nur noch an den letzten und entscheidenden Punkt, bei dem Richi dem ebenfalls wieder Ungarn beide Beine hochriss, ihn so zum fallen brachte und mit voller Wucht einen Zuki versenkte. Ich stand in der ersten Reihe und konnte es kaum fassen. Ich sah Hannes an der Seitenlinie die Arme hoch reißen und ich weiß nur noch wie ich an der Brüstung stand und alles aus mir heraus schrie was ich konnte. Das war der krasseste Jubel ever. Damit stand fest, wir hatten zwei Finalteilnehmer von Deutschland auuuus Ouchi. Und der Ungar, kein Schlechter übrigens, war bestimmt überrascht dass er gegen einen Südafrikaner mit Rastas rausgeflogen ist 😛 hähä…

Die Finals fanden am späten Nachmittag statt. Meine Stimme war schon ganz schön beansprucht. Zuerst kam Hannes in die Halle. Unter den acht Finalisten Waren zwei echte Granaten. Aber mit seiner Unsu errang Hannes den 3. Platz. Wir waren so gespannt dass wir fast gar nicht mitbekamen, dass der Richi wären dessen die Wettkampfbühne betrat. Nachdem Hannes fertig war, ging es bei Richi um die ersten Plätze. Und er machte da weiter wo er aufgehört hatte. Super kämpfe. Die Performance stimmte an diesem Tag. Durch eine sehr ulkige Disqualifikation wurde Richi am Ende von seinem dritten auf den zweiten Platz geschoben. Das muss man sich mal vorstellen. Hannes und Richi. Zwei Starter. Zwei Medaillen. Wir konnten es irgendwie gar nicht richtig begreifen. Und ich glaube, wir Fans waren genauso fertig wie die Jungs. Mein Körper war K.O. und ich war völlig breit. Leute, begreift doch, ZWEI MEDAILLIEN!!!!

Nach diesem Erfolg ging es dann wieder direkt in unser Lieblingsrestaurant. Mit dem ganzen deutschen Team. Gulasch Kalb. It’s a hard job! Nebenbei lief Fussball Champions League Finale. Aber an die Spannung vom Wettkampf konnte das auf uns nicht übertragen. Zu K.O. waren wir.

Am Sonntag waren dann die Teamwettbewerbe dran. Und eigentlich auch der Kampf um den Grand Champion. Da kämpfen die besten Zwei aus allen Gewichtsklassen den Riesenkämpfer aus. Ganz richtig, Richi war dafür qualifiziert. Allerdings hat er sich bei seinen letzten Kämpfen die Füße lädiert, sodass er nicht mehr normal auftreten konnte und immens gehemmt war. Wirklich schade, aber dennoch zeigten Hannes und Richi im Team Kumite wo die Tiger aus dem Osten her kommen. Auuus Dresden. Das Team verlor leider trotz 2:1 Führung. Und: Hannes und Richi gewannen (fast schon souverän) ihre Kämpfe und zeigten, wie gut sie vorbereitet waren. Das Training hat sich also allemal gelohnt. Um ehrlich zu sein, so richtig anfeuern konnte ich am Sonntag schon gar nicht mehr. Meine Stimme war echt durch.

Den Sonntag schlossen wir erfolgreich mit der SayonaraParty ab. Das ist Pflicht. Am Ende einfach nochmal so richtig die Sau raus lassen. Tanzen bis zum abwinken. Im großen Battle gegen die Dänen zeigten Anonymus und Marcus synchrone Bumsliegestütze. Der Tim investierte seine letzten Scheine in eine ganze Flasche Jägermeister. Was soll’s. Der Abend war genial und als es am schönsten war sind wir gegangen. Haben noch versucht den Papierkorb zu „treffen“ und sind dann völlig nüchtern zu Hause angekommen. Die Videos von der Busfahrt, ähm, die sind geheim 😛 …

Am Montag fuhren wir bei brechender Hitze wieder nach Hause. Und damit ist es jetzt Zeit für mein Abschlusswort. Ich bin soooo stolz auf die zwei Jungs, was sie erreicht haben wird man sich noch in 10 Jahren erzählen. Ich bin sooo stolz auf die Ouchis die als Unterstützung, Helfer, Masseure, Busfahrer und Daumendrücker mit dabei waren. Ich bin sooo stolz auf diesen Verein, auf unsere Mitglieder, die ein ¾ Jahr voll mitgezogen sind. Und Helm ab Frau Mütze vor Lucie. Die Kleine hat soo Tapfer durchgehalten. Sie war der größte Kämpfer unter uns! Es war ein unglaublich schönes Erlebnis. Und auch an das Fan sein kann ich mich gewöhnen. 😛

Elf taschn nö… ihr ward spitze!

Der anonymus…

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